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Miscellanea III
GRAZ, 27. März 2004

Abb 3: National Memorial in Oklahoma City, USA 

National Memorial in Oklahoma City, USAGRAZ, 27. März 2004. Menschen, die professionell mit Worten umgehen, bestehen leider manchmal, fast scheint es aus Trotz, auf geglätteten Verhältnissen zwischen Auge und Realität: Hier das Auge, also "ich", dort die Realität, mein Gegenüber. Hier die Kamera, auch "ich", dort das Objekt meiner Betrachtung. Christopher Isherwoods "I am a camera" ist in der Folge ebenso kurz verstanden kolportiert worden wie Louis Sullivans "Form ever Follows Function". Würde im Gegenzug etwa jemand behaupten, er sei ein Füllfederhalter oder ein Computer, nur weil er nicht schreiben kann? Nein, ich "bin" keine Kamera, und kein Mensch "ist" eine. Entgegnet wird, "I am a camera" sei doch nur metaphorisch gemeint, die Kamera also ein unparteiisches, unbestechliches Instrument der Dokumentation, womöglich ein ganz "leidenschaftslos" hingehaltenes. Für Kulturwissenschaftler und kuratierende Theoretiker zur Zeit am Liebsten noch mit der Ausprägung "Knipsen": Die als Geschäft betriebene Ausdeutung des "Unbewussten" ist irgendwie billiger als die Beschäftigung mit gestaltender Komposition.

Abb 4: City Hall, El Paso, USA

City Hall, El Paso, USAÜber die unverschämte Gleichsetzung von Auge und Kamera ist schon andernorts viel geschrieben worden. Daß ein filmischer Fachjargon in bestimmten wackelnden Bildern einen authentischen Touch (Direktübertragung aus dem Gehirn eines der Protagonisten) sieht und mit dem Term "subjektive Kamera" belegt, ist eher ein Hinweis auf ein manipulatives Instrumentarium. Tatsächlich befindet sich die Kamera im Raum zwischen dem Kinematographen und der Welt. Es handelt sich also eigentlich um zwei Räume: den Raum zwischen Gehirn/Auge des Fotografen und der Bildfläche der Kamera (die eben nicht nur aus einer Linse besteht, sondern auch aus einer künstlichen "Retina") und den Raum zwischen dieser technischen Bildfläche als Aufzeichnungsinstrument und dem Arrangement des Wirklichen, das festgehalten wird. Auf beiden Seiten kommt es in den aktuellen Beziehungen dieses Relationsgefüges zu einer aktiven, körperlich betriebenen Verflüssigung des Raumes.

Abb 5: Lockheed T-33 vor dem Center of Commerce, Del Rio, USA

Lockheed T-33 vor dem Center of Commerce, Del Rio, USADer Raum wird durch die Arbeit des Blicks eingeschmolzen und im Moment der Aufnahme in seinen Bestandteilen zusammengeschweißt. Im Akt der Aufnahme findet die Erstarrung einer momentanen Verlinkung von Raumbestandteilen statt. Die Herstellung eines repräsentativen Bildes ist in dieser Konstellation ein Spezialfall, der nicht besonders viel mit Denken zu tun hat, wenn man dieses als fließende Bewegung begreift. Worauf das Interesse zu richten ist, ist das Theater des Blicks, das sich in dem Raum zwischen dem Gehirn des Fotografen und der Bildfläche der Kamera abspielt. In ihm konstituiert sich die Realität des Bildes und sein Gehalt: Das ist kein "Ich", sondern das Produkt eines bestimmten Prozesses."

(Aus: Heinz Emigholz, Das weiße Schamquadrat, unveröffentlicht)

 

Abb 6: General Patton Memorial Museum, USA

General Patton Memorial Museum, USA



 
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