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The Basis of Make-Up

Die Basis des Make-UpAbout THE BASIS OF MAKE-UP

"The Basis of Make-Up" (Die Basis des Make-Up) is an ongoing series of more than 600 drawings Heinz Emigholz is working on since 1974. "Originals" of the drawings do not exist, they only serve as intermediate steps in the production of "original prints". These are archival photo prints (20 x 24 inch) of the drawings in a limited and signed edition of 22. The prints are sold by several galleries.

Different versions of the series and installations of the drawings have been exhibited over the last 25 years internationaly in many galleries and museums. Since 1975 many drawings have been reproduced in countless magazines, newspapers, catalogues and books.

The title page of the series, a photograph of a scull, has been found by Heinz Emigholz in San Diego 1975 in a handbook about make-up techniques from the 30es. The caption under the image read "The Basis of Make-Up", and became immediately the title of the series, as well as of several of his films since then.

 
Zeichnung (1) aus DIE BASIS DES MAKE-UPDrawing (1) from THE BASIS OF MAKE-UP

NYC, September 1974. Ein Traum, geträumt in Manhattan im 4. Stock des Bürogebäudes 100 Hudson Street. Eine Schaufel schwebt über dem Deck eines Schiffes und wirft einen senkrechten Schatten. Wahrscheinlich am Wendekreis des Krebses, zur Zeit der Sommersonnenwende. Eine nur symbolisch kolorierte Welt: B - ein Stück blauer Himmel, G - ein grauer Farbfleck an der Kabinenwand des Schiffes, an der auch ein Rettungsring angebracht ist. Das Deck ist hell wie Beton, die Reling weiß lackiert, das Meer glitzert in der Windstille. Eine darüber schwebende Stimme sagt: "The pain starts at 10 p.m.", der Schmerz beginnt um 10 Uhr abends. Der Beginn einer Reise, der Horror vor einem sich auftuendem Horizont, die Selbständigkeit der Dinge, die Ritzen zwischen den Planken als Fluchtlinien und die Beschwörung eines bis dahin abwesenden Schmerzes.

Dieses ist die erste, eine aus Zeitmangel entstandene Zeichnung der Serie. Den Traum nach dem Erwachen niederzuschreiben, erschien mir zu langatmig und kompliziert. Vergessen wollte ich ihn auch nicht, deshalb die Skizze.

(1974)

 

Zeichnung (2) aus DIE BASIS DES MAKE-UPDrawing (2) from THE BASIS OF MAKE-UP

"Text under construction"

President Street. 

 (1975)

 
008Drawing (3) from THE BASIS OF MAKE-UP

Brooklyn, 1975, President Street. Ein Sofa, das samt Kissen in der Schwerelosigkeit abhebt, ein Ventilator, der auf Null steht, und eine Frau im kleinen, schwarzen Kleid, die an ihrem Sessel kleben bleibt.

Lynne Tillman: "When I saw her I wanted something. Her couch, the bracelet she wore. It was hot. I felt time slipping by, as if out of my hands, and my desire grew. I couldn´t hold on to something. She said, I´ll give you whatever it is you want but then you won´t want it. You like desiring things for the sake of it. The look on her face was sure. Things have a life of their own, I answered."

(1975) 

Titelblatt zu "Heinz Emigholz, A Portfolio" in: The Paris Review Nr. 65, NYC 1976. 

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ImageDrawing (4) from THE BASIS OF MAKE-UP

"Text under construction"

Twelve Inch Gun. 

(1997) 

 
005Drawing (5) from THE BASIS OF MAKE-UP

Brooklyn, 1975. Later, sometime, nevertheless. Doppeltrapezförmige Eichensärge erzeugen bei mir Übelkeit, ich scheue ihren Anblick. Hier degegen ein Designer-Sarg aus Italien unter einem marmoriert gemusterten und in Falten gelegten Überwurf auf einem schwarzen Teppichfetzen.

Der Abschied als Verdrängung, draußen die Reste der Brooklyn Bridge. Ein Vorhang wirft Schwärze auf das Fenster eines leeren Apartments. Der Auszug und die Aussicht auf eine Rückkehr – irgendwann, immerhin, später – in einer endlosen Zeit.

(1975) 

 
009Drawing (6) from THE BASIS OF MAKE-UP

Hamburg, 1978. Ein Alptraum im Zippelhaus: Selbstleuchtendes Brot im Schatten und Brotsuppe, die von einem Flakon aufgesogen wird. Ein in eine Zimmerecke einbetonierter Wellenkamm, eine Armada schwarzer Dampfer. Ein blitzartiger Schatten. Die Künste vervollständigen sich, das Leben erfüllt sich.

(1978) 

 
006Drawing (7) from THE BASIS OF MAKE-UP

"Three giraffes watching TV in a motel, the module of an infinite picture for wallpaper of an Italian children’s room. As opposed to television, that started at one point and to which we connect and disconnect throughout our life, film – as a traditional cultural form with a beginning, middle and end – still leads to differing opinions. Films are finite products. Cinematographic representation proudly states: this is how I once was and this is what I am like now. As a medium, television stands for an entirely different perception of reality. It is the image of a flow that cannot be defined and thus the constant assertion of an opposite. In formal terms, it is the hitherto most successful parody of life. Everything we contribute to it has nothing to do with us. We appear on TV and for this reason mean nothing anymore. No chance for criticism and its selective methods of objection. A true euthanasia medium." (From: arsenal, february 09).

(1976) 

Lynne Tillman later wrote about this drawing: "It was in a hotel room in Los Angeles, a very seedy room where we had gone to seed. The TV was attached to the ceiling, the management fighting theft. We wouldn't have take it...

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007Zeichnung (8) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Hamburg, 1977. Vierteiliges Selbstportrait, nackt, in Loden mit Hut und Schatten und als Vexier-Bildvase, in Vorbereitung auf den Film Normalsatz. Der Fall ist aus Glas. Der Fakt, das Gerücht und das Zerspringen von Glas. Ein positives und ein negatives Ohr aus weißem und schwarzem Marmor. Das Quadrat im Quadrat, in dem sich alles abspielt. Lynne Tillman: "I don't care about what I hear. It is what I don't hear, what I can only intuit or imagine that disturbs me. Imagination is a weak substitute for the truth, albeit not even a substitute, translation with meanings of its own. How I discover what is really the case is by gathering all the facts. Generally, what was said. Then I place those facts – statements, bits of conversation – under a magnifying glass. Not a real glass, one of my own invention. I think about everything that I can think about that may be attached to those facts. It's simple. What is not said is as important as what I said, we know this from psychoanalysis, the power of the repressed. someone's history must be mixed in to what has been said or left unsaid. One reads between the lived and the unlived. Intention cannot be judged unless we see its fruit – action."

(1977) 

 

ImageZeichnung (9) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Windfang. 

(1976) 

 
ImageZeichnung (10) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Hamburg, 1976. Die zweite Welle der BRD-Renovierungskampagnen Anfang der 70er Jahre. Hier: Projekt Windfang, Weltverbesserung und Aufrüstung durch Regipswände und Glasbausteine. Die Haustür als Zentrum der Identitätsbildung, das Vordach als Damoklesschwert, vor dem Haus Platten aus Beton.

Dazu neue Polaroidfilm-Wegwerf-Instruktionen. Eine amerikanische Mülltonne als universales Emblem über einem Friseurstuhl. Dahinter aufsteigend die zwei Arten ein "Y" zu schreiben auf der Seitenfläche eines Flugroboters. Eine Erinnerung an die Waterbugs, fliegende Kakerlaken in NYC.

Der Friseurstuhl wurde im Sperrmüll an der Straße Am Zippelhaus gefunden und nach einigen Jahren dort wieder abgestellt. Zwei schwarze Sperrholzplatten schützen die beim Frisieren nötige Intimsphäre.

(1976) 

 
013Zeichnung (11) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Johnson City, Herbst 1975. Einzug in das obere linke Apartment eines Hauses an der Sherman Street. Die Fensteröffnungen sind mit dunklen Drahtgittern bespannt. Mein Moskitonetz aus NYC wird eingeholt. Wir rauchen Grass und hören The Soulful Sound von Jimmy Reed. Ich kann mich zwar nicht mehr bewegen, schwebe aber an der Vorderfassade des Hauses empor. Eine Projektionswand flattert im Wind. Ich verändere im Schweben meine Richtung um 90 Grad.

 (1976)

 

ImageZeichnung (12) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Der Vorhang von Nadur auf Gozo. Das B-B-Haus von ARTEC im Burgenland. Zwei Schokoladenblöcke mit Mandelstücken. Ein Fuß, der im nächsten Moment auf dem Boden aufsetzen wird. Auf der Trainingshose vier alchimistische Zeichen für Tod und Totenkopf. 

(2005) 

 

 

ImageZeichnung (13) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Orvieto, 13. September 1990. Himmel und Hölle, Wiederauferstehung. Auf der Suche nach einem von Pier Luigi Nervi erbauten Flugzeughangar aus den 30er Jahren. Wahrscheinlich existiert das Gebäude nicht mehr. Hier die Tragkonstruktion des Daches mit der Toraufhängung. Rechts schlägt ein Skispringer in korrekter Körperhaltung kopfüber in den Boden. Links assistiert ein Geburtshelferengel der schwarz eingefärbten Seele des Grafen Orgaz aus El Grecos Gemälde Die Beerdigung des Grafen Orgaz dabei, in den Himmel zu schlüpfen. Auf Gegenkurs dazu die brennenden Reste eines einmotorigen Sportflugzeuges. Das Wort Ordet ist in seiner Typographie aus der Titelsequenz des Films Ordet (Das Wort) von Carl Theodor Dreyer übernommen. Im Film erscheint es negativ in eine jütländische Landschaft mit Strohdachhaus einkopiert. Die Schrift bildet dort ein Gegengewicht zu den hellen Wolken am düsteren Himmel. Auch im Filmtitel steht nach dem Wort ein Punkt. Das Scheitern und dann eine Erleuchtung, wie eine Behauptung, als Ereignis." (Aus: flypaper #5, 2010).

(1999) 

 
014Zeichnung (14) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Hamburg, 1975. Ein Traum aus der Kleinen Reichenstraße. R: Es beginnt zu regnen. Ein Stahlring mit drei Radfahrern darauf schwebt an einem Fallschirm ins Meer. Unter einem Blitzschutztuch rast ein Auto im Linksverkehr die Küstenstraße entlang. Auf seinem Rücksitz sitzt ein Geschäftsmann auf einer Erbse.

( 1975)

 
ImageZeichnung (15) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Zwei Tränen. 

(2007) 

 
ImageZeichnung (16) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Squid Jesus. 

(2007) 

 
015Zeichnung (17) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

NYC, 1975. Eine grüne Gartenpforte (GG) in Achim in den 50er Jahren. Unser Haus stand am Bahndamm. Zweimal am Tag raste der Fliegende Roland auf seiner Fahrt von und nach München an uns vorbei. Halbstarke hatten die Pforte nachts in den Graben am Fuße des Bahndamms geworfen. Wir spielten Ich erkläre den Krieg auf dem Sandweg vor dem Haus. Die beteiligten Länder, die wir Kinder vertraten, hießen Deutschland, USA, Frankreich und Rußland. Josef von Sternberg begann mit seinen täglichen Besuchen. Er war ramponiert von einem Ausflug in die Südsee. Ratten waren über ihn hinweggelaufen. Das, was er in seiner Autobiographie Fun in a Chinese Laundry über Hamburg schrieb, hat mich immer berührt: "The long train ride and the fourteen-day voyage across the Atlantic have been wiped from my memory, but not so the port of the city of Hamburg, where we were forced to wait to embark... This bedroom in Hamburg, reserved exclusively for transients who had no other choice, was red-brown with evil insects, walls and beds covered with crawling bedbugs... This Hamburg lodging was a place in which to weep and wait for the dawn."

(1975) 

 
020Zeichnung (18) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Hamburg, 1978. Achim in den 50er Jahren, bei Tag und bei Nacht. Unsere Zinkbadewanne im Garten, eine Ziermuschel auf der Kommode. Ein blühender Zweig des Kirschbaums, das schwarze Schild meines Schreibheftes, eine Aktenlitze und der angedrohte Abwurf einer Atombombe über der Kleinstadt. Die Skyline taucht seitenverkehrt über der Stadt wieder auf.

(1978)
 

 

Die Basis des Make-upZeichnung (19) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Der erste Schultag, 1954. Mein Opa und ich vor einer Hecke und einer Edeltanne am frisch angelegten Steinbeet in unserem Vordergarten. Er erzählte mir von einem Eisernen Vorhang mitten durch Deutschland. Dessen Konstruktion dachte ich mir als Stahlkonstruktion. Ich fragte mich, wie sie im Himmel aufgehängt sein könnte. Auf der anderen Seite war sie sicherlich tief im Boden verankert. EV = Eiserner Vorhang = e.V. = eingeschriebener Verein = ev. = evangelisch. 2 ist die Zahl, die eine Lehrerin meistens in die rechte untere Ecke meiner Zeichnungen schrieb. 4 war unsere Hausnummer in der Straße Am Bahndamm, hinter der Hecke. Am Tornister auf meinem Rücken hängt der Wischlappen für die Schiefertafel. Das Brotauto ist ein Symbol für die dicklich süße, hellbraune Suppe aus Brotresten, die meine Oma für uns kochte.

(1977) 

In RAW 1/1980 wurde zu der Zeichnung unter dem Titel ONE PANEL FROM THE BASIS OF MAKE-UP folgender Text veröffentlicht: "Peaceful gathering in front of hedge and silver fir at the newly planned stone-bed, 1955. My grandpa and me, just back from the inaugural ceremony for the rebuilt bridge across the river Weser...

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