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Die Basis des Make-Up

017Zeichnung (20) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Hamburg, 1981. Der Geschäftsmann auf der Erbse aus (14) mit aufgeklappter und verbogener Kühlerhaube. "dead Fessel of Wegelagerer, deutsch", eine Schriftzeile von Kiev Stingl, dessen Platte "einsam WEISS boys" gerade erschienen war. Ein Kopf mit Mütze, eingezwängt in den Markierungen eines viereckigen Raumes. Auf der Mütze eine Antenne, die in den Äther ragt und an der auf Augenhöhe des Trägers das Landschaftspanorama des ersten  Schenec-Tady-Filmes aufgehängt ist. Links unten die Skizze eines Automaten zur Ausführung von Prügelstrafen aus der Bild-Zeitung. Der Delinquent muß eine Lochkarte mit dem Strafmaß einschieben, sich vorbeugen und die Stockschläge durch die Betätigung eines Knopfes selbst auslösen. Drei übers Blatt verstreute Teile eines Taucheranzuges.

(1984) 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (21) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Die Weser bei Horstedt in Niedersachsen, schwarzes Geschirr auf dem Weg zur Flußmündung. Das Haus meines Großonkels auf der anderen Seite des Flusses. Ein Anlegeplatz mit Glocke zum Rufen des Fährmannes. Das war die Stelle, an der ich meine Seekiste zu Wasser lassen wollte, um mich darin um Europa herum bis nach Zentralafrika treiben zu lassen oder in den Kamerun. Von dort aus würde es dann zu Fuß in die Wüste weitergehen.   

(1984) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (22) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

The Claridge. 

(1999) 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (23) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Europa im Zugriff eines eisernen Handschuhs. Vierzehn nach Westen aus dem Bild driftende silberne Löffel und in Gegenrichtung aus Richtung Amerika eine langstielige Gartenharke, die an der Stirn meines Vaters kratzt. Die Hand aus Eisen, die Europa in der Klaue trägt, war für die Fachzeitschrift der US Marines das Sinnbild für Bolschewismus. Wer greift hier wie nach wem? Das Bemühen, persönliche Schuld und Sühne in diesem weltgeschichtlichen Reigen, in den man hineingeboren wurde, zu verankern, wurde zu einem utopischen Unterfangen. Klar war nur Eines: Das 'Wunder' im Wort Wirtschaftswunder waren nicht die Wirtschaft, nach deren Logik die Zerstörung noch immer die beste Voraussetzung für ein Wiedererstarken ist, sondern die Seelen der Überlebenden, die ungerührt weiterhin wirtschaftlich tätig sein konnten. Das Wort ist die Feier der Kälte des Überlebens, die dann an uns Kinder weitergereicht wurde. Diese Kette zu durchbrechen, gilt als Verbrechen an einer 'Natur', auf die sich auch schon die Nazis ihren abscheulichen Reim gemacht hatten." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1984) 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (24) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Leonid Iljitsch Breschnew Ende der 70er Jahre in seinem Situation Room im Kreml vor zwei laufenden Fernsehprogrammen. Noch keine Anzeichen von Reizüberflutung oder gar Gemüsedasein. Ein von Osten hereinfallender Set von Küchenmessern samt Fleischgabel, Hackbeil und Wetzstahl. Der Knebelverschluß einer Existentialisten-Kutte aus den 60er Jahren verknüpft den Handgriff eines Messers mit dessen Schatten auf dem Gesicht von Magdalena Montezuma im Film Macumba von Elfi Mikesch, 1982. David Marc druckte die Zeichnung 1995 in seinem Buch Bonfire of the Humanities (Scheiterhaufen der Geisteswissenschaften) mit der Unterschrift ab: 'The best minds of Allen Ginsberg's generation were still accusing the radio of hypnotism in 1955'. Diese Klage über selbstgerechte, intellektuelle Shortcomings könnte heute fortgesetzt werden mit 'The best minds of Hape Kerkeling's generation will never get the difference between 35mm film and digital video.' A rather 'b'schssne Sit'ation!' - but who cares. Praxis leidet ja nicht von Natur aus unter Theoriebedarf." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1984) 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (25) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Ein U-2-Spionageflugzeug aus den USA in den 50er Jahren über Sebaldsbrück bei Bremen. 'Ich seh' bald die Brücke': Als Kind hatte ich im Zug sitzend die Vorstellung, es handele sich um ein mechanisches Prinzip und nicht um eine optische Täuschung, wenn sich die Brückenbögen kurz hinter dem überdachten Plafond des Bahnhofs bei der Durchfahrt des Zuges hoben und senkten. Der Schriftzug G(CH)IAMULERA, einer Eisdiele in unserer Kleinstadt, gerät in das Blickfeld zweier Augen. Die Blicke mögen auch ruckartig versetzt worden sein, um den Eindruck einer filmischen Abfolge zu erzeugen. Die Augenlider als Flügel eines Malteserkreuzes. Unten rechts acht Flammen, die einen Menschen verschlingen. Links gegenüber die Darstellung eines nackten Mannes auf der Kommunikationsplatine der Voyager-Raumkapsel - mit Flügelfedern am linken Unterarm. Die Story eines wie gewonnenen, so zerronnenen schwarzen Raumes. Und niemand da, ihn zu erzählen oder zu lesen, und alle Herzen zu klein, um das für einen Flug benötigte Blut zu pumpen." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1984) 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (26) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"SUDDENLY: a city. Sprache als Ahnung. Ein explodierendes Sitzkissen über der Dachkante eines Hochhauses mit der Silhouette einer von der Manson Bande ermordeten Person vor dessen Fassade. Darüber am Himmel, auf dem Rücken liegend, ein ölverschmierter, toter Vogel und die Funktion der Zeit, die einen Zufall beschreibt. Zwei transparente Reißschienen und ein Winkel, Werkzeuge aus der allmächtigen Zeichnerei. Adolf Hitlers Skizze eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg - dem Ursprung des Bösen - mit hinzugefügtem Regenschirm und einem linken Stummelarm als Flügel. Die nachhaltige Niederkunft der Gefühllosigkeit, die Besetzung der Träume durch ganz reale Tote, kein Spiel unstabiler Kombinationen von Atomen. Ein  kreisförmig ausgebreitetes Präservativ aus HB (Hansestadt Bremen) als anonymes Kommunikationsmittel: 'Love is a burning ring of fire.' Das Spiel ist aus, eine vor der Zeit beendete Zeit. Eine klare Linie, die niemandem mehr einfällt. Ich habe dich erkannt, aber du mich nicht. Langsam dämmerte es mir, was mit den anderen los ist." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1984) 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (27) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Achim, 1957. Es regnet Geschirr zwischen Haus- und Fährglockenschaufeln auf einem Sportplatz. Ein Urahn betätigt sich als Hochspringer. Ein anderer vergräbt sein Gesicht in einem Teller. 

(1982) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (28) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"In der Handschrift von Larry Gottheim, 1975, zwei Worte: Possible (material), Material für Möglichkeiten. Nächtlicher Sirenenalarm in Achim, 1956, der Deich ist gebrochen. Ein Schild, das sagen will, 'Mein Vater ist kein Schwein.' Er springt mit seinem Messer-Brett-Gesicht im Weihnachtsmann-Kostüm von einer mit Trieben besetzten Riesenkartoffel in die Fluten der überschwemmten Weser. Als Nichtschwimmer, um mich aus der in Flammen stehenden Holzkiste zu retten, in der ich mich den Fluß abwärts zur Nordsee treiben lassen wollte. Ich war von der Seetüchtigkeit der Kiste überzeugt, hatte sie mit einem Sack Kartoffeln als Nahrungsvorrat ausgestattet und wollte darin nach der Umschiffung Europas über den atlantischen Ozean an die Küste Afrikas gelangen. Genauer gesagt bis in den Kamerun. So hieß noch ganz unverfroren und traumverloren eine Straße in unserer Nachbarschaft, die durch eine Sanddüne führte. Allerdings würde ich noch heute bis in die Wüste laufen, um mir keinen Film von Andrej Tarkowski ansehen zu müssen." (Aus: flypaper #5, 2010).

(1983) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (29) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"(Possible) Material, mögliches Material. Die Windungen der Weser zwischen der Horstedter Fähre und der Brücke bei Uesen südlich von Bremen. Ein Duschkopf, aus dem Sand rieselt, kreuzt sich mit einem Förderband für Sand. Titel der Rollbilder im Hintergrund: Sandberge und Fensterfluchten. Im benachbarten Dorf Bierden gab es Dünen, deren Sand nach dem II. Weltkrieg beim Wiederaufbau von Bremen in den Hochhäusern der Wohnsiedlung Neue Vahr verbaut wurde. Ein auf der Flucht in die Freistadt Bremen im Sand bei Achim von Kopfgeldjägern gestellter Leibeigener wollte sagen: 'Ach, im Sande muß ich sterben', kam aber nur bis 'Ach, im', bevor er geköpft wurde. Daher der Name. Und die Vorliebe für halbe Sätze. Der Überseedampfer Bremen aus einer Kinderzeichnung mit einer Haifischflosse vor Manhattan. Wochenlanger Streit mit meiner Schwester, die behauptete, es gäbe keine Haifische vor der amerikanischen Küste. Ich konnte die Abbildung, die mir als Beweis dienen sollte, im Bertelsmann Volkslexikon von 1956 nicht wiederfinden." (Aus: flypaper #5, 2010).

(1983) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (30) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Kleine Enzyklopädie meiner Armbrüche: Als 11jähriger habe ich mir beim Sprung über ein Zelt den rechten Unterarm gebrochen. Der komplizierte Bruch wurde genagelt. Ich durfte monatelang nicht am Turnunterricht teilnehmen, den ich eh haßte. Viele Nazis, die nach dem Krieg von Deutsch- zu Turnlehrern degradiert worden  waren, wirkten dort weiter. Als 12jähriger fiel ich vom Fahrrad, erneuter Armbruch, also wieder Befreiung vom Sportunterricht. Als 13jähriger wurde ich von einem Fahrrad überfahren. Man ließ den gebrochenen Knochen samt verbogenem Silbernagel schief anwachsen. Als 14jähriger wurde mir die Elle künstlich gebrochen, um den Nagel zu entfernen und den Arm zu richten. Ich durfte weiter auf der Matte liegen und rauchte inzwischen Zigaretten. Quintessenz: Unbewußt herbeigeführte Armbrüche aus Angst vor Sport lehrenden Nazis, dazu suchterzeugende Erfahrungen mit der Ausschüttung körpereigener Opiate bei Knochenbrüchen. Daher auch das Opiumzelt." (Aus: arsenal, januar 09).

(1984) 

 

   

Die Basis des Make-Up

altZeichnung (31) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Mouches volantes vor zwei Fenstern der Bibliothek der State University of New York in Binghamton, 1974. Bei fast geschlossenen Pupillen, in großer Helligkeit, rückt die Oberfläche des Augapfels und die darauf oder im Glaskörper selbst schwimmenden oder schwebenden Kleinteile und ihre Schatten in die Erkennbarkeit. Das Sehen bezieht sich auf sich selbst, das Auge wird selbstreflexiv. Hermann von Helmholtz hat sie zuerst beschrieben. Ich saß im Max Reinhardt Archive und ekelte mich vor meiner Recherche. Und endlich Warum die Fackel nicht erscheint von Karl Kraus in Die Fackel Nr. 890-905 gelesen, Ende Juli 1934 auf 315 Seiten erschienen, der beste Aufsatz in deutscher Sprache, den ich je gelesen habe. Zuvor noch die vierseitige Die Fackel Nr. 888 mit Kraus' Rede am Grab von Adolf Loos vom 25. August 1933 und seinem Gedicht "Man frage nicht, was all die Zeit ich machte", das mit Häme zu überziehen, sich die journalistischen Zuarbeiter des Grauens nicht nehmen ließen. Und damit das Kapitel "Reinhardt" abgeschlossen." (Aus: arsenal, juli/august 2012).

(1974) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (32) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Bibliothek mit Decke. 

(1974) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (33) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Krude Landschaften, Abbruchkanten und das Bewußtsein, darin eingesponnen zu sein und nicht mehr daraus zu erwachen. Die Atomisierung meiner Gefühle, aus der sich kein qualitativ neues Element ergibt, hat ihre Logik. Ein Flug zu den Filmfestspielen in Edinburgh (BORO) mit dem Film Normalsatz Anfang der 80er Jahre. Ich hatte schon einmal 1965 auf dem Felsen, von dem sich dort traditionell die verzweifelt Verliebten stürzen, gesessen und einen Personenzug bei seiner Einfahrt in einen Tunnel unter einem Friedhof beobachtet. Ganz anders als bei Hitchcock. Bevor sich die Welt in Zucker, Fett und Kohlehydrate aufspaltete, wie hier an einem Schokoriegel exemplifiziert. Ich dachte an David Larchers Fahrt in eine Autofalle auf Martinique und das Emblem seines Lastwagens als Stempelabdruck. In der Projektion zerriß die Filmkopie dann genau in der Szene, in der meine Super-8-Kamera umkippte. Ich rutschte von der Bank, schlug mit dem Gesicht voran zu Boden und krieche seitdem in Spurenelementen herum." (Aus: The End, Disko 22, 2011).

(1983) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (34) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Die schwarze Garderobe. Die Panoramen des Films Arrowplane und ein zerschnittenes Stück Film an der Wand meines Zimmers in Hamburg-Eppendorf. Im Closed-Circuit-TV das Bild eines Heftpflasters auf nackter Haut. Die BKA-Studie zum Selbstmord Andreas Baaders hier um eine Umdrehung des Halses erweitert. Der Schuß setzt sich fort durch alle Augen der in der Hamburger Gänsemarkt-Passage mit den Füßen unter die Decke genagelten Gänse.

(1984) 

David Marc druckte die Zeichnung 1995 in seinem Buch Bonfire of the Humanities auf Seite 10 mit der Unterschrift ab: "Would you rather be watching TV than reading this book?", und eröffnete damit das Kapitel Eins des Buches: "Chosen By Television – A Viewer in the City".

 

   

Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-upZeichnung (35) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Die weiße und die graue Garderobe. Party in Achim 1964 bei Scholly. Der Junge aus der Solarflex-Werbung, der sich das Hemd auszieht. Ich zerschlage mit einem Fang-den-Ball-Spiel eine der Glastüten der Deckenlampe. 

(1984) 

 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (36) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

I am the kitchen. 

(1983) 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (37) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

I am the wall. 

(1983) 

   

Die Basis des Make-Up

Zeichnung (38) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

The World. 

(1988) 

 

   

Die Basis des Make-Up

012Zeichnung (39) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Hamburg, 1975. Ein Ausflug in die norddeutsche Tiefebene. Die Erklärung von Wolkengeschwindigkeiten neben einem Kornfeld in Horneburg bei Hamburg. Die entfernten Wolken sind klein und langsam, die nahen groß und schnell. Silke Grossmann trägt einen schweren hellbraunen Ledermantel. Ihr Schatten hat sich von ihr getrennt und sieht und denkt ebenso nach. Wir haben einen Backstein aus einer Einfriedung in eine Wasserpfütze geworfen.

(1975) 

   

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